Hagen, den 10. November 2005


Theater: Wut und Enttäuschung

Die am Donnerstag in den Zeitungen veröffentlichte Presseerklärung des Intendanten Friedemann hat mich tief enttäuscht. Nach langen und intensiven Bemühungen ist es offenbar der gesamten Politik und den Verantwortlichen aus Verwaltung und Kämmerei nicht gelungen, Herrn Friedemann die finanzielle Situation unserer Stadt näher zu bringen. Er lebt nach wie vor in einer Art Paralleluniversum, in dem er sich nicht mit der Realität auseinandersetzen will.

Ein kleiner Blick über seine Schultern würde reichen, um zu erkennen, dass zum Beispiel auch alle Kulturzentren in dieser Stadt Kontrakte mit der Verwaltung geschlossen haben und diese auch einhalten. Dabei sind finanzielle Zuschüsse gewährt worden, die nur durch größtes ehrenamtliches Engagement und Leidenschaft der Betreiber zu einem erstaunlich erfolgreichen Kulturprogramm umgesetzt werden konnten. Man stelle sich nun vor, eines dieser Zentren würde in ähnlicher Weise die vereinbarten Ziele verfehlen. Die Schließung der Einrichtung stünde unmittelbar bevor.

Aber auch in anderen Bereichen der Kinder-, Sozial- oder gar Schulpolitik wird bis an die Grenze des Erträglichen gespart. Diese Entwicklung hat Herr Friedemann bestenfalls nicht zur Kenntnis genommen oder gar aktiv verdrängt.

Die Gesprächsangebote der Politik waren sehr umfangreich und die Einigung aller im Rat der Stadt vertretenen Parteien zeigt auch dem außenstehenden Betrachter, dass hier keine parteipolitischen Sandkastenspiele betrieben werden, sondern klar und deutlich eine gemeinsame Linie der allernötigsten Einsparungen gefunden wurde. Diese Linie formuliert gleichzeitig auch den Kulturauftrag für das Theater, der ausschließlich und allein durch den Rat der Stadt Hagen formuliert wird und nicht durch Herrn Friedemann.

Es ist weiter bedauerlich, dass er seinen Mitarbeitern gegenüber eine falsche Stimmung von Widerstand vermittelt. Die Probleme können nur gemeinsam und mit gegenseitigem Verständnis gelöst werden. Wütend macht mich allerdings Friedemanns Statement von Verantwortung und Wertschätzung gegenüber Mitarbeiter und Publikum seitens der Politik. Gerade weil die Politik ausdrücklich diese hohe Wertschätzung von der künstlerischen Leistung hat, hat das Theater in Hagen überhaupt eine Chance, langfristig zu überleben. Unser politisches Ziel ist es, den Bürgerinnen und Bürgern das Leben in unserer Stadt unter den gegebenen Bedingungen so positiv wie möglich zu gestalten. Dazu gehört selbstverständlich das Hagener Theater. Wer hier versucht, Keile zu treiben und Fronten aufzubauen, dem spreche ich die Liebe zum Theater und zu unserer Stadt ab.

Ich halte es weiter für unerträglich, die Diskussion um die Finanzen jenseits der dafür zuständigen Gremien und öffentlich zu führen. Herr Friedemann hätte Gelegenheit gehabt, sowohl im Kulturausschuss als auch im Haupt- und Finanzausschuss Rede und Antwort zu stehen. Dass er dies nicht getan hat, und nun über die Presse versucht, Fronten aufzubauen, halte ich für einen schlechten Stil. Für den Kulturausschuss kann ich sagen, dass wir auch weiterhin jederzeit zu konstruktiven Gesprächen bereit sind.